Stadtmensch

„Lüdinghausen war ein Glücksgriff“

Richard Borgmann ist seit über 27 Jahren Stadtoberhaupt und hat es noch keine Minute bereut

Sein Büro ist im alten Teil des Rathauses. Wenn er aus dem Fenster schaut, dann blickt er auf die Stever, die neue Borg, und auf das lebhafte Treiben in der Altstadt. Einen schöneren Arbeitsplatz kann es kaum geben. Das findet auch Bürgermeister Richard Borgmann. Seit über 27 Jahren ist er das Oberhaupt der Stadt, zunächst als Stadtdirektor, dann als hauptamtlicher Bürgermeister. „Und ich habe keine einzige Minute davon bereut“, sagt er.



Richard Borgmann ist seit über 27 Jahren Stadtoberhaupt und hat es noch keine Minute bereut

Sein Büro ist im alten Teil des Rathauses. Wenn er aus dem Fenster schaut, dann blickt er auf die Stever, die neue Borg, und auf das lebhafte Treiben in der Altstadt. Einen schöneren Arbeitsplatz kann es kaum geben. Das findet auch Bürgermeister Richard Borgmann. Seit über 27 Jahren ist er das Oberhaupt der Stadt, zunächst als Stadtdirektor, dann als hauptamtlicher Bürgermeister. „Und ich habe keine einzige Minute davon bereut“, sagt er.

 

Als er am 1. September 1992 seinen Dienst antrat, war ihm Lüdinghausen noch nahezu unbekannt. „Die Stadt interessierte mich, weil mein Vater hier zur höheren Landwirtschaftsschule in der Burg gegangen war. Und wegen der großen Liebe“, blickt Borgmann mit einem Schmunzeln zurück. Denn seine Frau kommt aus Olfen und ist auch in Lüdinghausen zur Schule gegangen. „Sie kannte sich hier gut aus und das war eine große Hilfe, gerade in der Anfangszeit“, erinnert sich Borgmann.

 

„Lüdinghausen war für uns ein absoluter Glücksgriff“, erklärt der Bürgermeister, der ursprünglich aus Marl stammt. „Unsere Kinder haben hier ein tolles Umfeld gefunden. Die Stadt hat so viel zu bieten: Natur, Historie, die Altstadt, die Schullandschaft, eine aktive Bürgerschaft und kurze Wege untereinander. Ich könnte noch viel mehr aufzählen. Um unsere Innenstadt beneiden uns viele. Sie ist aber nicht Gott gegeben. Dafür muss man viel tun.“

 

Wichtig ist die Nähe zu den Menschen

Inzwischen hätte der 63-Jährige bereits in Düsseldorf sein können. Oder in Berlin. Angebote gab es genug. „Aber das wollte ich nicht. Ich brauche die Nähe zu den Bürgern. Ich möchte die Ergebnisse meiner Arbeit sehen und erleben.“ Genau das mache für ihn die Arbeit so schön und so spannend. „Man sieht, was man macht. Man bekommt viel positives Feedback. Und man hat mit tollen Menschen zu tun.“

 

Sowohl mit Lüdinghausern als auch mit bekannten Persönlichkeiten. Besonders sind ihm die Begegnungen mit Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, dem ehemaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher und Hochspringerin Ulrike Meyfarth im Gedächtnis geblieben. Genscher hatte ihm damals verraten, wie er ausländische Gäste für sich gewinnt. „Er hatte einen Globus auf seinem Schreibtisch stehen und hat ihn immer so gedreht, dass das Heimatland der Gäste zu sehen war“, erzählt Borgmann. „Das hat mich beeindruckt. Heimat ist für alle Menschen wichtig. Und so schuf er gleich eine Verbindung.“

 

Bürgermeister – das Amt der gesamten Familie

In den bislang 27 Jahren als Bürgermeister habe sich die Arbeit sehr verändert. Durch die sozialen Medien sei zum einen der Ton rauer geworden. Es gebe viel mehr persönliche Angriffe als früher. Zum anderen habe das Anspruchsdenken der Menschen zugenommen. „Bevor man selber etwas tut, sucht man sich einen Sündenbock. Und das ist dann oft die Stadtverwaltung und der Bürgermeister“, erzählt Borgmann. Das habe auch seine Frau gelegentlich spüren zu bekommen, wenn sich jemand bei ihr über ihren Mann beschwert hat und sie sich rechtfertigen musste. „Das Bürgermeisteramt ist kein Amt einer Person, sondern einer ganzen Familie“, so der 63-Jährige. „An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an meine Frau und meine drei Kinder für ihre tolle Unterstützung.“

 

Endlich wieder ein Kino

Wasserburgenpark, Marktplatz, Sporthalle für den Schul,- Vereins- und Leistungssport, aufzählen ließe sich vieles. Aber auf welches Projekt er besonders stolz ist? „Auf das Kino“, sagt Richard Borgmann ohne zu überlegen. „Als 2007 das alte Kino geschlossen wurde, standen kleine Kinder vor mir und haben gesagt: Gib uns bitte das Kino zurück. Das hat mich berührt. Daher freue ich mich riesig, dass es uns nach langer Planung, zähen Verhandlungen und mit viel Hartnäckigkeit gelungen ist, wieder ein Kino in die Stadt zu holen.“ Dabei hätten sein Durchhaltevermögen und sein großes Netzwerk, das er sich in all den Jahren aufgebaut hat, eine große Rolle gespielt.

 

Gab es weniger schöne Erlebnisse?
„Als Bürgermeister haben Sie mit den schönsten und auch mit den schlimmsten Dingen in einer Stadt zu tun. Sehr schlimm war, als 1995 ein Feuerwehrmann bei einem Einsatz ums Leben kam. Oder als ein junger Mann im Kanal ertrank und keiner wusste, wo er zunächst geblieben war. Unbegreiflich war, als die Aula das Antonius-Gymnasiums abbrannte, und man hautnah daneben stand und nichts machen konnte, außer zu bewundern, mit welchem Geschick die Freiwillige Feuerwehr Lüdinghausen noch einen größeren Schaden verhinderte..“

 

Dennoch möchte er keinen anderen Job machen. „Der positive Teil meiner Arbeit überwiegt eindeutig.“
Nadine Wenge

 

Übrigens: Richard Borgmann wird gleich zweifach in die Geschichte der Stadt eingehen: Als letzter hauptamtlicher Stadtdirektor und erster hauptamtlicher Bürgermeister.

 

Drei Fragen an den Bürgermeister

Was machen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?
An erster Stelle steht die Familie, wir haben jetzt ein ganz süßes Enkelkind. Morgens gehe ich gerne joggen. Dabei bekomme ich einen klaren Kopf und habe oft die besten Ideen. Außerdem wandere ich gerne.

 

Haben Sie ein Lieblingsbuch?
Momentan lese ich ganz viele Kinderbücher vor.

 

Was macht Lüdinghausen für Sie aus?
Was ich brauche, bekomme ich hier. Und was ich hier nicht bekomme, brauche ich nicht.