Die Geschichte von Lüdinghausen

Von Bischöfen, Rittern und Stadtrechten

 

Erste urkundliche Erwähnung um 800
Lüdinghausen blickt auf eine lange Geschichte zurück. Als Snelhard und Walfried ihren hiesigen Hof im Jahr 800 an Liudger, den Gründer und ersten Abt des Klosters Werden, verschenkten, sprang Lüdinghausen sozusagen „aus dem Ei“. Jedenfalls wurde Lüdinghausen in dieser Schenkungsurkunde erstmals urkundlich erwähnt. Von „Ludinchusen“ war die Rede. Das Geschenk umfasste Äcker, Wald, Weiden, Wiesen und Flussrechte. Vermutlich gab es zur der Zeit aber schon einen kleinen Siedlungsbereich und eine Kirche. Als Liudger, der von Karl dem Großen 805 zum ersten Bischof von Münster erhoben worden war, 809 starb, fiel „Ludinchusen“ an den Abt des Klosters Werden. Mit seiner Kirche und seiner Lage an der Fernstraße von Köln nach Münster war es für das Kloster von großem Interesse.
Erste Siedlung auf einer Insel
Die Stever war die Lebensgrundlage der Siedlung. Sie entspringt in den Baumbergen und mündet heute in den Hullerner Stausee. Die Teilung der Stever in mehrere Arme diente damals als gute Grundlage für die Errichtung einer Furt (Flussübergang) an der Fernstraße. Reisende, die aus dem Süden kamen, zogen über die Langenbrückenstraße über den heutigen Marktplatz weiter die Münsterstraße entlang und bewegten sich damit ausschließlich oberhalb der 52-m-Höhenlinie. So ist es kein Zufall, dass sich der mittelalterliche Kern der Lüdinghauser Siedlung auch in diesem Bereich befand, was durch die bogenformige Anlage der Straßen zwischen Markt und Kirche bestätigt wird. Später breitete sich der Ort entlang der erhöht liegenden Fernstraße (heute Münsterstraße) aus. Bei großen Überschwemmungen lagen die Häuser quasi auf einer Insel.
Marktrechte ab dem 11. Jahrhundert
Wann das Marktrecht exakt verliehen wurde, ist offen. Aber es gibt Beweise in Form von Münzen, dass es mindestens ab dem 11. Jahrhundert ausgeübt wurde. Das Münz- und Marktrecht lag bei den Äbten, die es in Lüdinghausen ausüben durften und die es an die Herren von Lüdinghausen vergaben. Sie sollten es im Sinne der Kirche verwalten. Durch die Verwaltung der Güter des Klosters Werden wurde das Geschlecht, das sich später „von Lüdinghausen“ nannte, immer mächtiger. Aus Verwaltern wurden Lehnsherren, die die Macht hatten über die „Herrlichkeit Lüdinghausen“ (Burg, Freiheit, der Ort Lüdinghausen, die Bauernschaften Altdenhövel, Bechtrup, Elvert und Westrup).
Aufstieg zum ritterlichen Ministerialgeschlecht
Im Laufe der Zeit gelang den Verwaltern des Klosters in Lüdinghausen der soziale Aufstieg zu einem ritterlichen Ministerialgeschlecht. Ein Zeichen des Aufstiegs war der Bau der Burg Lüdinghausen. Erstmals schriftlich erwähnt wurde die Burg Lüdinghausen 1271, die damals schon als „alte Burg“ bezeichnet wurde. Anlass dieser Erwähnung war ein Konflikt zwischen dem Landesherren, dem Bischof von Münster und den Rittern von Lüdinghausen. Die hatten nämlich eine zweite Burg, die Burg Wolfsberg ohne seine Genehmigung erbaut. Dagegen ging der Bischof erfolgreich militärisch vor. Die Burg Wolfsberg musste abgerissen werden. Was die Ritter nicht hinderte, sie später wieder aufzubauen. Und so entstand die Fehde zwischen Kirche und Rittern.
Streit zwischen den Bischöfen und Rittern
Die Bischöfe wollten in Lüdinghausen ihre Macht ausbauen, wodurch es viele Auseinandersetzungen mit dem Ortsadel gab. Lüdinghausen, relativ nah an der Grenze des Fürstbistums, war hart umkämpft. Die Lüdinghauser Ritter schlossen verschiedene Verträge und wechselten mehrmals die Fronten. Um die Ritter im Zaum zu halten, entsendete der Bischof von Münster seinen Vertrauten Drosten Albert von Wulfheim. Er sollte die Ritter von Lüdinghausen überwachen. Das war damals die Geburtsstunde der Burg Vischering im Jahre 1271. Sie repräsentierte dauerhaft die Macht des münsterschen Bischofs. Die Familie Droste zu Vischering ist übrigens bis heute Besitzerin der Burg, die der Kreis Coesfeld gepachtet hat.
Ritter verleihen Lüdinghausen Stadtrechte
Als der Münsteraner Bischofsthron verwaist war, nutzten die Herren der Burg Lüdinghausen, Hermann von Lüdinghausen und sein Sohn Hermann, sowie der Besitzer der Burg Wolfsberg, Heidenreich Lüdinghausen-Wolf, die Gunst der Stunde und erhoben Lüdinghausen zur Stadt. Am 9. März 1309 nach heutiger Zeitrechnung. Der Fürstbischof verweigerte aber nicht nur die Legitimation, er erhob sogar 1311 das unweit gelegene Dülmen zur Stadt. Lüdinghausen durfte keine Vertreter zum Landtags des Fürstbistums schicken. Die Ritter von Lüdinghausen zeigten weiterhin ihre Macht, z.B. durch eine kurzzeitige Koalition mit dem Erzbischof von Köln.

Ende der Fehde

Der Konflikt zwischen Rittern und dem landesherrlichen Bischof endete schließlich 1443 mit dem Tod des letzten kinderlos geblieben Ritters Ludolf. Die Burg ging zuerst an den Bischof und 1509 ans Domkapitel von Münster. Das beauftragte den Domdechanten Gottfried von Raesfeld mit dem Wiederaufbau der baufälligen Burg Lüdingausen. Wollte doch das Domkapitel nach den Erfahrungen mit der Täuferbewegung in Münster einen sicheren Rückzugsort haben. Diese Arbeiten wurden 1574 abgeschlossen. Heute sind sie noch sichtbar am Giebel des Bauhauses und dem Südflügel der Burg. Der Sonderstellung als Lehen des Klosters Werden hat es Lüdinghausen wohl zu verdanken, dass mit seiner Burg, der Freiheit Lüdinghausen, dem Ort und den vier Bauerschaften Aldenhövel, Bechtrup, Elvert und Westrup bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts die sogenannte Herrschaft Lüdinghausens bestehen blieb. Der Herr der Burg war auch der Herr des als „Wigbold“ oder „Stedelein“ bezeichneten Ortes. Lüdinghausen hatte eine eigene Stadtbefestigung, eine eigene Verwaltung mit gewählten Stadtverordneten. Auch Jahrmärkte durften abgehalten werden. Anfang des 19. Jahrhunderts ging durch die Säkularisierung die Burg Lüdinghausen in den Besitz Preußens, dann in den Besitz eines Privatmannes (Cremer) über. Einige Zeit später zog die Landwirtschaftsschule in die Gebäude, dann kaufte die Stadt die Burg. Der Westflügel wurde deshalb gänzlich neu gebaut. Heute ist die Burg soziokulturelles Zentrum der Stadt Lüdinghausen. Vischering war später nur noch Privatburg.

Überschwemmungen als ständige Begleiterscheinung
Wasserburgen, Brücken, Mühlen – in Lüdinghausen dreht sich alles um das Wasser. Vor allem die Stever mit ihren vielen Seitenarmen und den 50 Brücken prägt das Stadtbild. Als es im Mittelalter darum ging, den Stadtgraben auszubauen, boten die Steverarme gute Voraussetzungen. Im Westen brachten die drei Wasserburgen zusätzliche Sicherheit. Der Wasserreichtum bedeutete wegen der häufigen Überschwemmungen auch eine große Belastung für die Stadt. Der Bau der Ostenstever 1927 brachte nicht die erhoffte Lösung, wie die großen Hochwasser der Jahre 1946, 1960 und 1961 zeigten. Schließlich wurde zwischen 1965 und 1973 die gesamte Stever zwischen Senden und Olfen vertieft, begradigt und verbreitert. Das Wasser zieht sich mit der Stever sowohl durch die Innenstadt als auch durch die Natur rund um die Stadt.
Kanal und Klutensee
Die große Schifffahrt kam aber erst 1899 mit dem Dortmund- Ems-Kanal nach Lüdinghausen. Beim Bau der neuen Fahrt 1936/37 entstand der Klutensee, da man Erde für den aufzuschüttenden Bahndamm brauchte. „Die Alte Fahrt“ des Kanals ist heute Naturschutzgebiet. Die Gewässer und Feuchtwiesen sind ideale Nistplätze für Störche, Fischreiher, Kormorane, Kanadagänse und viele weitere Vogelarten.

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